Rückkehr ins Büro: So kommen Mitarbeiter wieder ins Unternehmen

Die Corona-Pandemie hat dem Homeoffice viel Vorschub geleistet. Inzwischen wünschen sich viele Unternehmen aber, dass sich ihre Mitarbeiter wieder öfter im Büro sehen lassen. Studien zu Kreativität und der Bewältigung von komplexen Projekten stützen den Wunsch. Doch wie lassen sich Mitarbeiter vom heimischen Arbeitsplatz zurück ins Büro holen?

Zurück ins Büro: Der Trend nach Corona

Seit Beginn des Jahres 2023 zieht es Arbeitnehmer wieder stärker ins Büro. Doch wie die Daten des Schweizer Unternehmens Locatee zeigen, erreicht die Auslastung bei Weitem nicht das Level von vor Corona: In der Woche vom 23. bis einschließlich 27. Januar lagen die Zahlen der Büro-Rückkehrer bei einem Viertel der gesamten Kapazität.

„Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer haben sich an die Flexibilität und den Komfort von Remotearbeit gewöhnt“, konstatiert Markus Merkle, Chef des Software-Unternehmens Flexopus. Zum Status quo von vor der Pandemie zurückzukehren, komme seinen Ansichten nach für die meisten nicht infrage.

Ende des Homeoffice: Was spricht dafür?

Unter Experten herrscht Uneinigkeit darüber, wie effektiv die Arbeit im Homeoffice wirklich ist. So sehen Arbeitspsychologen zum Teil eine Abnahme von Motivation und Zufriedenheit unter Mitarbeitern, wenn diese nur von zu Hause aus arbeiten. Außerdem gehe die emotionale Bindung an den Betrieb verloren, sodass sich Arbeitnehmer nicht mehr wirklich für die Firma einsetzten.

Auch Siemens gibt an, dass beim dauerhaften Homeoffice das innovative Arbeiten abnehme. Und das Unternehmen Symrise möchte sogar festgestellt haben, dass Beschäftigte sich bei der Heimarbeit zu Einzelkämpfern entwickelten.

Zurück ins Büro? Widersprüchliche Ergebnisse

Andererseits gibt es Untersuchungen, die in vielen Fällen das genaue Gegenteil nahelegen: Nämlich, dass Mitarbeiter am heimischen Arbeitsplatz sogar produktiver sind – und weder der Zusammenhalt im Team, noch die Bindung an den Arbeitgeber leidet.

Trotzdem wünschen sich viele Unternehmen, dass Angestellte wieder vermehrt zurück aus dem Homeoffice ins Büro kommen. Unter den Gründen finden sich:

  • Aufbau starker Unternehmenskultur
  • weniger Verbundenheit vom Homeoffice aus
  • effektivere Zusammenarbeit am Arbeitsplatz vor Ort
  • Kontrolle über das, was Arbeitnehmer tatsächlich tun

 

Im Endeffekt hängt es stark von der Art der Arbeit, der Unternehmensstruktur und -größe ab, wie Teams in der jeweiligen Firma am besten zusammenarbeiten. Klar scheint in jedem Fall zu sein, dass sich eine 100-prozentige Rückkehr zur Präsenzarbeit nicht (mehr) durchsetzen lässt. Immerhin gibt es relevante Gründe, die zumindest die Lanze für eine teilweise Präsenz im Büro brechen.

Das spricht wirklich für die Rückkehr ins Büro

Auch in der modernen Arbeitswelt bleibt das Büro ein wichtiges Element. Denn Kreatives sowie komplexe Prozesse und Projekte lassen sich oftmals schlichtweg besser vor Ort im Office klären: Die physische Anwesenheit im gleichen Raum bietet mehr Möglichkeiten, wenn beispielsweise ein Vorgang durch Gesten besser veranschaulicht werden kann.

Und auch im Hinblick auf neue Mitarbeiter ist die Präsenz im Büro wichtig: Nur durch ein Kennenlernen von Angesicht zu Angesicht kann sich echte Empathie aufbauen. Sie bildet die valide Basis für gegenseitiges Vertrauen. Und das wiederum spielt eine große Rolle für innerbetriebliche Netzwerke, durch die innovative Ideen entstehen.

Teambuilding und Unternehmenskultur lassen sich also tatsächlich von der physischen Anwesenheit beeinflussen. Auch hier spielen aber Größe und Struktur des Unternehmens eine Rolle. Denn: Womöglich reicht ein gelegentliches Treffen aus, um die Zusammenarbeit zu stärken.

TIPP

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„Kein Zurück“: Warum Homeoffice so attraktiv ist

Im Argumentieren für den Arbeitsplatz vor Ort kann Führungskräften schnell die Luft ausgehen. Kein Wunder – bietet das Homeoffice doch große Vorteile für die Beschäftigten. Viele, die sich auf eine Stelle bewerben, beziehen die Option sogar in ihre Entscheidung ein, einen Job anzunehmen oder abzulehnen.

Entsprechend viele Gründe sprechen aus Sicht der Angestellten für den heimischen Arbeitsplatz:

  • Kontrolle über die eigenen Arbeitszeiten 
  • Möglichkeit für Besorgungen oder Sport in Pausen 
  • Vermeiden von Pendeln
  • mehr Zeit mit Familie
  • gesteigerte Produktivität, da weniger Störung 
  • generelle Freiheit des Aufenthaltsortes 
  • personalisierter Arbeitsplatz durch eigene räumliche Gestaltung 

 

Allerdings gibt es auch gute Gründe, zumindest ab und an das Büro aufzusuchen. So ließ sich in Studien feststellen, dass häufig anwesende Mitarbeiter öfter befördert werden, da sie regelmäßig mit Vorgesetzten ins Gespräch kommen. Auch muss die Fahrt zur Arbeit nicht als verloren betrachtet werden – sondern als Gelegenheit, den Kopf frei zu bekommen und Arbeit nicht „mit nach Hause“ zu nehmen.

So klappt es: Motivation zur Rückkehr ins Büro

Es ist kontraproduktiv, Mitarbeiter zu verärgern, indem die komplette Rückkehr aus dem Homeoffice zur Pflicht wird: Unzufriedenheit, nachlassende Motivation und schlimmstenfalls Kündigungen werden dann die Folge sein. Stattdessen ergibt es Sinn, offen für flexible Modelle zu bleiben, die Ansichten der eigenen Arbeitnehmer einzubeziehen und gemeinsam Angebote mit Mehrwert zu erarbeiten.

Nachhaltige Anreize schaffen

„Sie machen einen großen Fehler, wenn Sie von Ihren Mitarbeitern verlangen, dass sie wieder Vollzeit im Büro arbeiten. Auch sie sehen die Fortschritte, die die meisten Unternehmen in den letzten zwei Jahren gemacht haben, und sie werden sich fragen, ‚Warum?’“, konstatiert Amy Zimmerman, die als Chief People Officer bei Relay Payments Erfahrung im Personalmanagement mitbringt.

Es gilt daher, die Position der Arbeitnehmer zu verstehen und entsprechend Anreize zu schaffen, die wirklich langfristigen Nutzen bringen. Dazu gehört es, Mitarbeitern zuzuhören, bevor rein auf Verdacht hin Angebote erstellt werden, die womöglich gar nicht gewollt werden – oder einen kurzzeitigen Anreiz darstellen, aber auf lange Sicht nicht weiterhelfen.

Zurück ins Büro nach Corona

So mögen Gratis-Pizza und Grillabende zu Beginn ihren Reiz haben, doch verbessern diese nicht unbedingt die Umstände, unter denen – noch immer – besonders Mitarbeiterinnen häufig den Alltag zwischen Familie und Beruf jonglieren müssen. Hier helfen eher eine betriebliche Kinderbetreuung, flexible Arbeitszeiten und zum Beispiel die Möglichkeit, Abendessen aus der Kantine mitzunehmen. Auch Sportmöglichkeiten entzerren den Alltag, da Mitarbeiter sich Wege sparen – und mit weniger Zeitdruck etwas für ihre Gesundheit tun können.

Zusammenfassend lässt sich sagen: Angebote, die den Einklang von Beruflichem und Privatem fördern, sollten an oberster Stelle stehen, wenn Arbeitgeber ihre Mitarbeiter zurück ins Büro holen möchten.

Gut zu wissen: Manche, insbesondere ältere, Arbeitnehmer sorgen sich schlichtweg weiterhin um ihre Gesundheit. Ihnen fällt der Weg zurück ins Büro nicht leicht – auch nach Corona ist die Angst vor einer Infektion groß. Damit sich diese Mitarbeiter sicher fühlen, sollten Arbeitgeber den Austausch suchen und individuell Lösungen finden, um eine sichere Umgebung zu schaffen.

Das Büro als attraktiver Ort

Ein attraktiver Arbeitsplatz spornt Mitarbeiter mehr an, vor Ort zu arbeiten. Das gilt nicht nur im äußeren Sinne: Eine gute Arbeitsatmosphäre hängt schließlich mehr von der Dynamik im Team ab. Gemeinsame Aktivitäten können dazu dienen, sich besser kennenzulernen und den Teamgeist zu stärken. Aber auch der alltägliche Austausch in der Kaffeepause trägt zu mehr Zusammenhalt bei.

Und dieser wiederum lässt sich sehr wohl durch die Raumgestaltung fördern: Eine ansprechend gestaltete Kochnische mit einem Ensemble von Bistromöbeln lädt eher zur gemeinsamen Kaffeepause unter Kollegen ein, als eine lieblos gestaltete Ecke mit Kühlschrank und Mikrowelle. 

Sie möchten Ihr Büro zu einem sozialen Ort machen, in den Ihre Mitarbeiter gerne zurückkehren? In unserem Workspace Workshop nehmen wir Sie und Ihr Team mit auf eine ganz besondere Reise: Zur besten Version Ihrer Büroräume, in dem Gemeinschaftssinn und Kreativität zu Hause sind.

Übrigens: Viele Mitarbeiter schätzen die ungestörte Arbeitsumgebung im Homeoffice, in der sich Aufgaben konzentriert erledigen lassen. Hier können Unternehmen ansetzen und durch eine intelligente Raumaufteilung, Schallschutz-Elemente und ruhige Rückzugsorte eine attraktivere Arbeitsumgebung schaffen. Raum in Raum-Systeme dienen zum Beispiel zum ungestörten Telefonieren.

Zurück ins Büro: Mit Verständnis und Fairness

Professor Susanne Böhlich, die Internationales Management an der Internationalen Hochschule Bad Honnef lehrt, glaubt indes nicht, dass Benefits ausreichen, um langfristig ein Ende des Homeoffice zu erwirken. Stattdessen sollten Mitarbeiter verstehen, warum sie zurück ins Büro kommen sollen – und dies bestenfalls als fair empfinden. „In unserer Euphorie für Homeoffice unterschätzen wir komplett, dass die Präsenz einen unglaublichen Wert hat“, sagt die Professorin.

Ein Verständnis dafür erreichen Führungskräfte durch Ehrlichkeit und konsistente Regeln. Diese transparent darzulegen und nachvollziehbar zu erklären, sei die Aufgabe der Unternehmen. Dabei sollten diese je nach Feedback aber nicht auf 100 % Präsenz zu bestehen, sondern offen für hybride Modelle bleiben.

Hybride Modelle fahren besser

Experten sind sich indes einig, dass eine Rückkehr zur Arbeitswelt vor den Corona-Jahren nicht der richtige Weg ist. Genauso wenig seien das aber 100 % Homeoffice. Die „neue Normalität“ findet ihren besten Weg stattdessen irgendwo in der Mitte. Zum Beispiel bei einem bis mehreren fest ausgemachten Büro-Tagen, an denen man sich mit dem Lieblingsteammitglied zum Mittagessen verabreden kann.

Nicht zu vergessen: Von weniger Präsenz profitieren auch Unternehmen. Denn so sinkt nicht nur die Stromrechnung im Büro, sondern es können unter Umständen Flächen reduziert werden. Eine moderne Raumgestaltung mit flexiblen Arbeitsplätzen sowie intelligente Buchungssysteme unterstützen diesen Trend.

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